26.07.10
Kinder im Vorschulalter mit Depressionen frühzeitig behandeln
Erst in den letzten Jahren befassen sich vermehrt Studien mit Depressionen im Grundschul- oder gar im Vorschulalter. Die Anzeichen der Erkrankung in diesem Alter unterscheiden sich von denen bei älteren Kindern und Erwachsenen. In einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Current Directions in Psychological Science berichtet Psychologieprofessor Joan Luby von der Washingtoner Universität in St. Louis über die derzeitigen Erkenntnisse zu Depressionen im Vorschulalter und darüber, wie wichtig es ist, diese frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Da Depressionen im Vorschulalter schwerer zu diagnostizieren sind, wurden sie in der Vergangenheit oft vernachlässigt. Deprimierte Erwachsene verlieren ihre Freude an vielen Dingen, die ihnen vorher Spaß gemacht haben. So haben sie auch kein sexuelles Interesse mehr. Kleine Kinder sind aber nicht so offensichtlich traurig wie Erwachsene und verhalten sich phasenweise ganz normal. Fehlende Begeisterung beim Spielen sind bei ihnen mögliche Anzeichen.
Um Depressionen bei Vorschulkindern zu erkennen, war es sehr wichtig, geeignete psychiatrische Tests zu entwickeln, so Luby. Diese Interviews haben gezeigt, dass Kinder im Vorschulalter ebenso typische Symptome von Depression zeigen, wie Freudlosigkeit, Tendenz zu Schuldgefühlen und verändertes Schlafverhalten.
Experten gehen davon aus, dass vorschulische Depressionen nicht nur eine vorübergehende Erkrankung sind, sondern möglicherweise frühe Hinweise für eine Krankheitsgeschichte. Denn Studien haben nachgewiesen, dass deprimierte Vorschulkinder mit großer Wahrscheinlichkeit auch später in der Kindheit, als Heranwachsender und Erwachsener unter Depressionen leiden. Da das Gehirn bei kleinen Kindern noch sehr formbar und anpassungsfähig ist, sind in diesem Alter therapeutische Maßnahmen noch wesentlich wirksamer. Mehr Forschung ist nach Ansicht Lubys für die Entwicklung von Behandlungen für vorschulische Depressionen notwendig.
Als Antidepressiva haben sich Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) als wirksam erwiesen, doch gibt es aufgrund der Nebenwirkungen Bedenken. Eine neuartige Behandlung für vorschulische Depressionen wird derzeit geprüft. Sie basiert auf Eltern-Kind-Interaktionen (PCIT: Parent-Child Interaction Therapy) und ist modifiziert worden, um sich auf die emotionale Entwicklung des Kindes zu konzentrieren (ED: Emotional Development). Frühe Änderungen in diesem Bereich können möglicherweise das Risiko für Depressionen beeinflussen. Eltern erhalten dabei u.a. Tipps, wie sie das Verhalten ihres Kindes im täglichen Umgang miteinander positiv verändern können.
Quelle: Current Directions in Psychological Science ________________________________________________ Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie u.a. im Ärztehaus Harlaching: Frau Dr. med. Ulrike Richter
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