Nachgefragt
Schlafstörungen
Frau Dr. med. Ulrike Richter,
Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie im Ärztehaus Harlaching, beantwortet häufige Fragen zum Thema Schlafstörungen:
Was versteht man unter Schlafstörungen? Das Schlafbedürfnis ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen wachen mehrmals in der Nacht auf, aber fühlen sich dennoch am nächsten Morgen ausgeruht und erholt. Wird allerdings längerfristig eine Schlafdauer von sechs Stunden am Stück unterschritten und stellen sich daraufhin Beschwerden ein, empfiehlt es sich einen Arzt aufzusuchen.
Schlafstörungen können sich auf recht unterschiedliche Weise äußern. Einschlafstörungen sind charakterisiert durch die Zeitspanne, die ein Mensch braucht, um einzuschlafen. Werden hierfür regelmäßig 30 Minuten überschritten, so kann man von Einschlafstörungen sprechen. Betroffene liegen mitunter stundenlang wach, bevor sie schließlich ihren Schlaf finden. Wenn ein Mensch regelmäßig unter vorzeitigem Aufwachen leidet, spricht man von Durchschlafstörungen. Das ist dann der Fall, wenn das Erwachen vor dem Ablauf von sechs Stunden erfolgt und mindestens drei Mal pro Woche vorkommt. Diese Patienten beschreiben ihren Schlaf oft insgesamt als „leicht“ und wenig erholsam. Finden Betroffene nach dem Erwachen gar keinen Schlaf mehr, spricht man von vorzeitigem Erwachen. Der medizinische Überbegriff für derartige Ein- und Durchschlafstörungen ist Insomnien. Auch sog. Parasomnien, das sind Auffälligkeiten oder Störungen während des Schlafens, wie Zähneknirschen, Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf, zählen zu Schlafstörungen, wenn sie nachhaltig zu Beschwerden führen. Schließlich gibt es noch die so genannten Hypersomnien, die sich durch erhöhte Tagesschläfrigkeit auszeichnen. Sie können Ausdruck nächtlicher Atemstillstände (Schlafapnoe)sein.
Welche Ursachen haben Schlafstörungen? Schlafstörungen können zum einen Symptom einer akuten oder chronischen Krankheit sein, zum anderen aber auch ein eigenes Krankheitsbild darstellen. Zu den Erkrankungen, die den Schlaf negativ beeinflussen können, zählen z. B. Schilddrüsenstörungen, hormonelle Störungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Nierenerkrankungen, Rheuma, degenerative Erkrankungen (Parkinson, Demenz), Krebs oder Schmerzen. Häufig ist auch die so genannte Schlafapnoe, ein kurzfristiges Aussetzen der Atmung, während der Nachtruhe, für Störungen verantwortlich. Diese Erkrankung geht oft mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit sowie einem „chronischen Erschöpfungssyndrom“ einher und tritt vorwiegend bei Übergewichtigen auf.
Daneben kommen auch Schlafstörungen vor, bei denen keine erkennbare psychische oder körperliche Ursache auffindbar ist. Oft waren derartige Gründe zunächst Auslöser der Störung, sie treten dann aber in den Hintergrund, doch die Störung bleibt. Das Phänomen der Schlafstörung hat sich sozusagen verselbstständigt und kann dauerhaft verbleiben.
Auch die Einnahme von Medikamenten, Alkohol oder Drogen kann zu Störungen des Schlafrhythmus führen.
Welche Folgen haben Schlafstörungen? Man unterteilt die Schlafstörungen je nach Dauer in akuten (unter vier Wochen), subakuten (unter sechs Monate) und chronischen Verlauf (länger als ein halbes Jahr). Schlafstörungen, die über einen längeren Zeitraum anhalten, werden für Betroffene oft zu einem quälenden Erlebnis. Das Defizit an erholsamem Schlaf führt zu verstärkter Tagesmüdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, auch Frieren und Stimmungsschwankungen können die Folgen sein. Die Problematik kann derart belastend und anstrengend werden, dass die Betroffenen sogar arbeitsunfähig werden.
Wie kann man Schlafstörungen diagnostizieren und behandeln? Um ernsthafte Schlafprobleme zu diagnostizieren und behandeln zu können, haben Patienten die Möglichkeit, sich in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen. Dabei kann man sprichwörtlich „über Nacht“ die schlafbezogenen Erkrankungen, wie z. B. Atemstörungen, andere internistische Störungen und auch neurologische Ursachen feststellen und anschließend behandeln. Hierfür kann der Patient am Abend aufgenommen werden und morgens nach dem Frühstück wieder gehen. Die Berufstätigkeit muss also nicht unbedingt unterbrochen werden.
Bei leichten Schlafstörungen können einfache Hausmittel hilfreich sein, wie z. B. ein warmes Bad, Kräutertees (aus Melisse, Hopfen, Baldrian) oder ein Spaziergang an der frischen Luft. Generell sollte man auf späte Mahlzeiten verzichten („dinner cancelling“). Auch Entspannungstechniken (z. B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson) und Atemübungen können unterstützend wirken. Generell ist es empfehlenswert, einen normalen Schlaf-Wach-Rhythmus wieder einzuüben. Auf den Mittagsschlaf sollte z. B. trotz Müdigkeit verzichtet werden. Schlaftabletten (Hypnotika) sind für eine langfristige Einnahme eher ungeeignet, da sie rasch zu Abhängigkeiten führen können. Es gibt aber eine Reihe pflanzlicher Arzneimittel, die ebenfalls schlaffördernde Wirkung haben, da sie Unruhezustände ausgleichen.
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