Patienten sollten nach einem Hüftbruch nicht zu lange mit einer Operation warten

Senioren mit einer gebrochenen Hüfte müssen so schnell wie möglich operiert werden, oder sie könnten lebensbedrohliche Komplikationen erleiden. Davor warnt eine kanadische Studie. Wird ein Patient mit einer Hüftfraktur innerhalb von 24 Stunden operiert, verringert sich sein Risiko aufgrund des Bruchs zu versterben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er eine Lungenentzündung, einen Herzinfarkt oder Arterienverschluss erleidet, verringert sich dadurch.


"Wir haben festgestellt, dass die ersten 24 Stunden ein sicheres Zeitfenster darstellen", sagte der leitende Forscher Daniel Pincus, Doktorand an der Universität von Toronto. "Nach 24 Stunden hat sich das Risiko aber deutlich erhöht", so Pincus.

Um zu sehen, wie sich diese Verzögerung auf die Gesundheit der Patienten auswirkt, haben Pincus und seine Kollegen Daten von über 42.000 Patienten ausgewertet, die zwischen April 2009 und März 2014 in 72 Krankenhäusern in Ontario wegen einer Hüftfraktur behandelt worden waren. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 80 Jahren. Die Forscher verglichen die Patientengeschichten basierend darauf, ob sie vor oder nach 24 Stunden operiert wurden.

Insgesamt starben etwa 12% der Hüftfrakturpatienten innerhalb eines Monats nach ihrer Operation.
Unter Patienten, die innerhalb von 24 Stunden operiert wurden, traten jedoch im folgenden Monat um 21% weniger Sterbefälle auf, als unter diejenigen, bei denen sich die Operation verzögert hatte.
Die frühzeitig operierten Patienten hatten auch niedrigere Komplikationsraten. Sie hatten eine um 82% geringere Wahrscheinlichkeit, ein Blutgerinnsel in den Beinvenen zu entwickeln (tiefe Venenthrombose); es war um 61% weniger wahrscheinlich, dass sie einen Herzinfarkt erlitten; und 49% weniger wahrscheinlich, dass sich ein Blutgerinnsel in der Lunge entwickelte (Lungenembolie). Unter diesen Senioren war die Häufigkeit einer Lungenentzündung innerhalb eines Monats nach dem operativen Eingriff auch um 5% geringer.

"Das Problem ist, je länger Sie im Bett liegen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie eine Lungenentzündung und Blutgerinnsel bekommen. Der unfixierte Knochen kann weiterhin kleine Gewebsstücke ablösen, die in die Lunge gelangen können", erklärte Sax. "Die Verzögerung macht die Dinge nicht unbedingt besser. Sie kann sie eher verschlimmern."

Der Patient wäre am besten in einem Krankenhaus aufgehoben, das auf die Behandlung älterer Menschen mit Hüftfrakturen spezialisiert ist, fügte Sax hinzu. Dort steht in der Regel ein Team von Chirurgen, Geriatern, Anästhesisten und anderen Fachleuten zur Verfügung, die mit dem Verfahren vertraut sind.

Quelle: HealthDay, Journal of the American Association
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Fachärzte für Orthopädie im Ärztehaus-Harlaching: Dr. med. Hans Häfner und Dr. med. Nikolaus Vollmann