Bewegung hilft Glaukom vorzubeugen

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Sport bzw. mäßige bis starke Bewegung, wie zügiges Gehen oder Joggen, dazu beitragen können, das Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms bzw. grüner Star, einer der Hauptursachen für Erblindung, zu senken.


Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Glaukomrisiko demnach um bis zu 73% senken.
Forscher der Universität von Kalifornien, Los Angeles, präsentierten ihre neuen Ergebnisse auf der Jahrestagung der American Academy of Ophthalmology, die in New Orleans, LA, stattfand (11. bis 14. November 2017).

Die Forscher werteten landesweite Erhebungsdaten aus, die in den Vereinigten Staaten gesammelt wurden. Dabei stellten sie fest, dass - verglichen mit den am wenigsten aktiven Menschen - die körperlich aktivsten Menschen ein 73% geringeres Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms aufwiesen.

Glaukom nimmt weltweit zu

Weltweit ist Glaukom die häufigste Ursache für irreversible Blindheit. Forscher schätzten, dass im Jahr 2013 64,3 Millionen weltweit im Alter von 40 bis 80 Jahren von einem Glaukom betroffen waren. Diese Zahl wird bis zum Jahr 2040 vermutlich auf 111,8 Millionen steigen.

Es gibt keine Heilung für Glaukom, aber wenn es früh erkannt wird, stehen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören verschreibungspflichtige Augentropfen, die ein Fortschreiten verlangsamen und die Sehkraft erhalten können.

Obwohl Glaukom jeden betreffen kann, gibt es bestimmte Gruppen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms besitzen. Zum Beispiel sind in den USA häufiger Afroamerikanern im Alter über 40 Jahren und Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren mit einer entsprechenden Familiengeschichte der Krankheit betroffen. Glaukom tritt auch häufiger bei Menschen mit Diabetes auf.
Menschen können einen Sehverlust durch das Glaukom  reduzieren, indem sie ihren Blutdruck kontrollieren, ein gesundes Gewicht halten und körperlich aktiv sind. Diese Dinge helfen auch Diabetes und anderen Erkrankungen vorzubeugen, die mit einem erhöhten Glaukomrisiko verbunden sind.
Seit langem ist die Ansicht verbreitet, dass die Wahl des Lebensstils das Glaukom selbst nicht beeinflusst. Aber einige neuere Studien haben eine Verbindung zwischen Lebensstilfaktoren und dem Augeninnendruck gezeigt, der ein signifikanter Risikofaktor für ein Glaukom ist.

Sport wirkt sich positiv aus

Dr. Victoria L. Tseng, eine der Wissenschaftlerin der aktuellen Studie, stellte fest, dass einige Studien nahelegen, dass Bewegung den Blutfluss zum Auge und den Druck im Inneren verändern kann.
Daher beschlossen sie und ihre Kollegen, den Zusammenhang zwischen Belastungsintensität und Glaukom zu untersuchen, wobei sie Daten aus der nationalen Gesundheits- und Ernährungsuntersuchungsstudie (NHANES) verwendeten.

NHANES verfolgt seit den 1960er-Jahren die Gesundheit und Ernährung von Kindern und Erwachsenen in den USA und wird als einzigartig angesehen, da die Teilnehmer körperliche Untersuchungen sowie Interviews durchlaufen.

Im Jahr 2003 wurden im Rahmen dieser umfassenden Untersuchung auch Aktivitätstracker genutzt, um körperliche Aktivitäten wie Gehen und Joggen zu überwachen. Bis dahin wurden die Informationen über körperliche Aktivität nur mithilfe von Befragungen gesammelt.

Schnelleres Gehen entsprach einem niedrigeren Glaukomrisiko

Für ihre Studie verwendeten die Forscher Gehgeschwindigkeit und Schritte pro Minute, um das Niveau der körperlichen Aktivität zu bestimmen. Sie stellen fest, dass 30 Minuten mäßiger bis starker Aktivität an mindestens 5 Tagen der Woche mindestens 7000 Schritten pro Tag an jedem Tag der Woche entsprachen.

Als sie die Daten analysierten, fand das Team pro Geschwindigkeitssteigerung um 10 Einheiten und Steigerung Anzahl der Schritte pro Minute eine 6%-ige Reduktion des Risikos, an Glaukom zu erkranken, Sie fanden auch eine 25%-ige Reduktion des Glaukomrisikos pro 10 Minuten mehr an wöchentlicher mäßiger bis kräftiger Aktivität.

"Unsere Forschung deutet darauf hin, dass nicht nur Bewegung mit einem verminderten Glaukomrisiko einhergeht, sondern dass Menschen, die mit höherer Geschwindigkeit und mehr Schritte gehen oder laufen, ihr Glaukomrisiko sogar noch weiter senken können, verglichen mit Menschen, die langsam und weniger Schritte gehen."

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass andere Teams nun stärker auf die direkte Beziehung zwischen Glaukom und körperlicher Aktivität achten müssen, bevor klinische Leitlinien zu den Befunden formuliert werden können.

Dr. Tseng erklärte, dass sie in der Zwischenzeit ihren Patienten raten wird, Sport zu treiben, da dies sowohl ihrer Gesundheit als auch ihren Augen zugutekommt.

Quelle: Medical News Today, EurekAlert! AAO
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Fachärzte für Augenheilkunde im Ärztehaus Harlaching: Frau Dr. Erna Josef und Herr Dr. Harald Mühlhölzl