Hautinfektionen im demografischen Wandel - Zusammenhang zwischen Haut und Immunsystem

Unsere Haut ist auf großer Fläche zahlreichen Infektionserregern ausgesetzt. Gleichzeitig ist die gesunde Haut aber auch mit Billionen von Bakterien, Milben und Pilzen besiedelt. Als „Mikrobiom“ wird der Lebensraum dieser Mikroorganismen oder deren Gene bezeichnet. Die aktuelle klinische Forschung in der Dermatologie untersucht, wie diese natürlich vorhandenen Mikroorganismen das Immunsystem des Menschen trainieren oder überwachen und in welcher Wechselwirkung sie untereinander stehen.


Ungezielte oder unnötige Antibiotikagaben

„Wir wissen bereits, dass Störungen des mikrobiellen Gleichgewichtes, beispielsweise durch die ungezielte oder unnötige Gabe von Antibiotika, Infektionen begünstigen können,“ berichtet Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, Klinik für Dermatologie und Venerologie der Universitätsklinik Halle und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Dermatologische Infektiologie und Tropendermatologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Resistenz von Infektionserregern

Mit zunehmendem Durchschnittsalter unserer Bevölkerung steigt die Anzahl der Menschen mit chronischen Wunden und mit Immunerkrankungen. Beides sind Faktoren, die Haut- und Weichgewebeinfektionen fördern und womöglich eine Aussaat in das Blut.
Für alle medizinischen Fachdisziplinen gilt: Die unkritische, also zu häufige und unnötige Gabe von breit wirksamen Antibiotika hat bereits zur Resistenz eines häufigen und potenziell gefährlichen Infektionserregers geführt, dem „Haufenbakterium“ Staphylokokkus aureus. Dermatologen kommt bei der Früherkennung und gezielten Behandlung dieser Infektionen eine große Verantwortung zu.

Neue systemische Krätze-Behandlung

Nach Prof. Sunderkötter wurde in bestimmten Regionen Deutschlands in letzter Zeit wieder häufiger Skabies (Krätze) diagnostiziert. „Die häufigere Diagnose oder eine mögliche Zunahme der Skabies hat nichts mit den schutzsuchenden Flüchtlingen zu tun, denn sie werden auf Skabies untersucht“, so Prof. Sunderkötter. Ansteckungsquellen sind vielmehr Menschen mit abgeschwächter Immunreaktion, wie sie häufig bei älteren Patienten auftritt. Sie können eine hochansteckende Form der Skabies haben. Diese kann beispielsweise schnell in Pflegeheimen ausbrechen, denn bereits ein kurzer körperlicher Kontakt führt zur Ansteckung. Die gewöhnliche Skabies hingegen ist weniger infektiös, wird aber bei längerem engen Kontakt übertragen und nimmt aus gleichem Grunde zu wie andere sexuell übertragene Infektionen.

Mit der kürzlichen Zulassung eines Medikamentes (Ivermectin) für die systemische Behandlung der Krätze steht eine weitere rasche und sichere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.

Sexuell übertragene Infektionen

Und Prof. Sunderkötter warnt: „Die sexuell übertragenen Infektionen sind keinesfalls ausgestorben.“ Im Gegenteil haben diese Infektionen in Deutschland zugenommen. Wichtige Erreger, wie die Gonokokken als Verursacher des Trippers, zeigen vermehrt Antibiotika-Resistenzen.

Virusinfektionen weltweit

In den vergangenen Jahren hat es weltweit wiederholt lokal begrenzte Ausbrüche von bestimmten viralen fiebrigen Infektionen mit Hauteinblutungen gegeben: Im Jahr 2016 wurden Infektionen mit dem Zika-Virus bekannt, davor Ebola, auch traten immer wieder Fälle von Dengue-Fieber auf. Die Dermatologen in Deutschland sind mit Hautinfektionen vertraut und auch für reisemedizinische Infektionen sensibilisiert und wachsam.

Prävention durch Impfen

Schließlich rät Prof. Sunderkötter zur konsequenten Infektionsvorbeugung durch Impfen: „Impfungen sollten wann immer empfohlen, und so früh wie angegeben, durchgeführt werden, z.B. Impfung gegen „Warzenviren“ (humane Papillomviren). Sie schützen auch vor bestimmten Krebsformen, wie dem Gebärmutterhalskrebs.“

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(Jenny Kocerka, Geschäftsstelle, Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V.  - DDG / Autor: Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter)
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Quelle: idw, Pressemeldung der DDG
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Fachärztin für Hautkrankheiten, Venerologie, Allergologie in Zusammenarbeit mit dem Ärztehaus Harlaching: Prof. Dr. med. Sabine G. Plötz