Prostatakrebs-Screening bewahrt Leben, und dies effektiver als bisher angenommen

Eine Übersichtsstudie liefert neue statistische Belege aus zwei großen klinischen Studien, die die Effektivität der Prostatakrebsvorsorgeuntersuchung belegen.


Bild: © Monkey Business - Fotolia.com

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Eine Studie unter der Leitung des Fred Hutchinson Cancer Research Centers in Zusammenarbeit mit der University of Michigan School of Public Health und dem Erasmus University Medical Center zeigt, dass das Prostata-spezifische Antigen(PSA)-Screening Prostatakrebs effektiver frühzeitig erkennt, als bisher angenommen. Die in den „Annals of Internal Medicine“ veröffentlichte Arbeit verwendete neue statistische Techniken zur Analyse zweier wichtiger klinischer Studien, die die Wirksamkeit der Vorsorgeuntersuchung bestätigen. Die Sterblichkeit durch Prostatakrebs kann demnach durch ein Screening um 25 bis 32% gesenkt werden.

"Was wir hier versuchen, ist, über die einfachen Analysen hinauszugehen, um die richtigen Informationen aus diesen Zahlen zu erhalten", sagte Dr. Ruth Etzioni, eine Biostatistikerin in der Abteilung Public Health Sciences Division des Fred Hutchinson Cancer Research Centers und leitende Autorin der Publikation. "Und diese Zahlen sagen uns, dass Prostatakrebs-Screening funktioniert."
Die sorgfältige statistische Auswertung legt für beide Studien die gleiche Schlussfolgerung nahe: Screenings senken das Risiko für Prostatakrebs-Sterblichkeit signifikant.

Die Forscher werteten die Daten einer umfangreichen europäischen (ERSPC: European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer) und einer großen amerikanischen Studie (PLCO: Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial) zum PSA-Screening aus. Die Autoren kommentierten, dass die US-Studie im Wesentlichen die Auswirkungen eines organisierten mit einem bedarfsorientierten Screening-Programm vergleiche, während die europäische Studie einen besseren Vergleich zwischen Screening und keinem Screening lieferte.

Mithilfe mehrerer computergestützten statistischen Analysen quantifizierten die Experten diese Unterschiede. Sie berechneten auf der Basis der Angaben zu 161.394 Patienten aus der ERSPC und zu 76.683 Patienten aus dem PLCO, ob die Wirkungen des PSA-Screenings auf die Prostatakrebs-Mortalität bei Männern, die gescreent wurden, sich von denen unterschieden, die sich keinem Screening unterzogen hatten.

Die Ergebnisse zeigten, dass – auch wenn die unterschiedlichen Ansätze berücksichtigt wurden - die Daten zum gleichen Ergebnis führten: Die routinemäßig durchgeführte Vorsorgeuntersuchung führte zu einer früheren Diagnose. Insgesamt wurde das Risiko der Prostatakarzinomsterblichkeit im ERSPC-Screeningarm um 25 bis 31% und im PLCO-Screeningarm um 27 bis 32% im Vergleich zu keinem Screening gesenkt.

Deutsche Urologen empfehlen einen ersten PSA-Test ab etwa 40 bis 45 Jahren
Dem Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) zufolge bietet der so genannte Baseline-PSA im Alter von 40 (bei familiärer Vorbelastung) oder 45 Jahren eine gute Information über das individuelle Prostatakrebsrisiko. Abhängig von Höhe des Wertes und ob in der Familie ein Prostatakarzinom bekannt ist, können die Kontrollintervalle festgelegt werden, die bis zu fünf Jahre betragen können. Neben dieser ersten Testung empfiehlt sich eine weitere Testung zwischen dem 55. und 70. Lebensjahr.

Wenn aus ärztlicher Sicht ein Verdacht auf ein Prostatakarzinom vorliegt oder die Untersuchung zur Verlaufskontrolle eines Prostatakarzinoms medizinisch erforderlich ist, dann übernimmt die Krankenkasse in der Regel den PSA-Test. Sonst ist der Test eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die vom Patienten selbst getragen werden muss.

Quelle: Fred Hutchinson Cancer Research Center, Annals of Internal Medicine, BDU
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Facharzt für Urologie im Ärztehaus Harlaching: Dr. med. Thomas Erpenbeck