Gebrochenes Schienbein: Rauchen kann die Heilung deutlich verzögern

Forscher von der Lehigh Universität analysierten die Daten von 1.003 Patienten, die sich das Schienbein gebrochen hatten. Dabei zeigte sich, dass bei Rauchern die Knochenheilung deutlich verschlechtert war.


Bei Erwachsenen werden Tibia- bzw. Schienbein--Frakturen gewöhnlich durch die chirurgische Implantation eines dünnen Metallstabs („intramedullärer Nagel“) in dem Hohlraum innerhalb des Knochens fixiert. Diese Behandlung ist im Allgemeinen bei Tibiafrakturen (Schienbeinbrüchen) effektiv. In 10 bis 15% der Fälle heilt der Knochen jedoch nicht gut bzw. wächst nicht richtig zusammen (Pseudarthrose). Der Studie zufolge war die Heilung neben der Schwere der Verletzung auch vom Alter und Lebensstil der Patienten ab. So heilten die Knochen insbesondere bei Rauchern, aber auch bei weiblichen Patienten im mittleren Alter schlecht. Warum eine verzögerte oder gestörte Heilung bei Frauen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren zu beobachten war, konnten die Forscher nicht vollständig erklären. Sie vermuten, dass Lebensumstände, Arbeitsplatz, Aktivitätsniveau und andere schwer messbare Faktoren dazu beitragen.

"Wir sind alle mit einigen der bekannteren negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens vertraut, aber der Einfluss auf die Knochenheilung ist außerhalb der medizinischen Gemeinschaft weniger bekannt", erklärte Professor Hannah Dailey, Erstautorin der Veröffentlichung im „Journal of Orthopaedic Trauma“. "Unsere Studie legt nahe, dass alle Frakturpatienten Unterstützung bei der Raucherentwöhnung erhalten sollten, um das Risiko von Komplikationen im Zusammenhang mit ihrer Verletzung zu reduzieren."

Patienten, bei denen eine Pseudarthrose auftritt, können unter erheblichen Schmerzen leiden, müssen oft über längere Zeit Schmerzmittel einnehmen und können von Depressionen betroffen sein. Die medizinischen Kosten und der Lohnverluste sind ebenfalls hoch. Nur etwa 60% der Patienten, deren Brüche schwer heilen, können innerhalb eines Jahres wieder arbeiten. Von den 1.003 Patienten entwickelten 12 Patienten Pseudarthrosen bzw. zeigten Probleme beim Heilungsprozess (etwa 1%).
Die 1.003 Patientenakten stammten aus einer großen Datenbank, die Experten für Probleme bei der Knochenheilung (Dr. Charles Court-Brown und Dr. Margaret McQueen – beide von der Universität von Edinburgh, Schottland) im Verlauf von mehr als 20 Jahren (1985-2007) gesammelt hatten.

Quelle: EurekAlert, Lehigh Universität, Journal of Orthopaedic Trauma
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Fachärzte für Orthopädie im Ärztehaus Harlaching: Dr. med. Nikolaus Vollmann und PD Dr. med. Jörg Hausdorf