Hörprobleme bei Kindergärtnerinnen

Sieben von zehn Kindergärtnerinnen leiden an einer Hörschwäche und vier von zehn sind überempfindlich gegenüber Geräuschen. Dies ist ein deutlich höherer Anteil als bei Frauen in der Allgemeinbevölkerung und auch höher als in lärmbelasteten Berufsgruppen, wie Untersuchungen an der Sahlgrenska Academy in Schweden zeigen.


"Wir haben eine Berufsgruppe mit einem sehr hohen Risiko für Hörprobleme, und wenn nichts dagegen unternommen wird, ist es wirklich alarmierend. Wir müssen den Schallpegel senken, eine ruhigere Umgebung im Kindergarten schaffen", hofft Sofie Fredriksson, eine promovierte Audiologin Abteilung für Arbeits- und Umweltmedizin an der Sahlgrenska Academy.

Sie hat zuvor Aufmerksamkeit erregt mit einer Studie, die sich u.a. mit Problemen wie Tinnitus bei Geburtshelfern befasste. Ursache ist demnach das Schreien der gebärenden Frauen. In Fortführung ihrer Dissertation befasste sie sich mit Kindergärtnerinnen und ihren Hörproblemen.

Von den befragten Kindergärtnerinnen (4.718 Frauen) litten 71% unter einer Hörschwäche, so dass sie beispielsweise nach einem Arbeitstag nicht mehr in der Lage waren, Radio zu hören. Der entsprechende Anteil in der Kontrollgruppe (4.122 Frauen) betrug 32%.

Fast die Hälfte (46%) hatte Schwierigkeiten, Gespräche zu verstehen, verglichen mit 26% Frauen der Vergleichsgruppe. 39% gaben an, dass sie mindestens einmal pro Woche Beschwerden oder körperliche Schmerzen in den Ohren durch alltägliche Geräusche erlebten, die nicht unbedingt laut sind. Der entsprechende Anteil an Hyperakusis (krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Schall) in der Kontrollgruppe betrug 18%.

Kindergärtnerinnen sind einem Stimmengewirr und Schreien ausgesetzt. Sie müssen dennoch gut hinhören, um wichtige Informationen auszusortieren - auch wenn es das Gehör schmerzt. Im Gegensatz dazu müssen Arbeiter in einem industriellen Umfeld nicht auf Maschinengeräusche hören.
"Kindergärtnerinnen haben ein viel höheres Risiko als diejenigen, die in Umgebungen mit einer ähnlichen Lärmbelastung arbeiten. […] sie können auch keinen Gehörschutz tragen", so Sofie Fredriksson.

Hörverlust und Tinnitus waren die zweithäufigsten Symptome bei Kindergärtnerinnen, aber hier waren die Unterschiede zu Frauen in der allgemeinen Bevölkerung nicht so ausgeprägt.
Es gäbe keine einfache Lösung, betont Sofie Fredriksson. Es ginge nicht nur darum, wie groß die Kindergruppen sind, sondern auch wie oft Zeit im Freien verbracht werden kann und vieles mehr.
"Auch die Räumlichkeiten und die Raumakustik müssen berücksichtigt werden. In einem großen Raum mit festen Wänden wird es schnell laut […] ", erklärt sie.

Quelle: ScienceDaily, University of Gothenburg,
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Facharzt für HNO, Kopf- und Halschirurgie, Allergologie, Plastische und Ästhetische Operationen, Stimm- und Sprachstörungen im Ärztehaus Harlaching: Dr. med. Matthias Zenkel