Reizdarmsyndrom: Industriell verarbeitete Nahrungsmittel möglicherweise einer der Auslöser

Der Verzehr vorwiegend industriell verarbeitete Lebensmitteln könnten mit einem erhöhten Risiko für ein Reizdarmsyndrom verbunden sein. Dies legen Beobachtungsdaten von französischen und brasilianischen Experten nahe.


Forscher um Laure Schnabel von der Universität in Paris analysierten Daten aus der webbasierten NutriNet-Sante-Studie, die eingerichtet wurde, um Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten und der Gesundheit bei Menschen zu untersuchen.

Das Team untersuchte Ernährungsdaten von 33.343 der mehr als 160.000 Studienteilnehmer. Diese hatten Fragebögen online ausgefüllt und mindestens dreimal ihr Ernährungsverhalten über den Verlauf von 24 Stunden dokumentiert. Die meisten Teilnehmer (76,4%) waren Frauen; das Durchschnittsalter betrug 50,4 Jahre.

Im Durchschnitt machten industriell verarbeitete Lebensmittel 16,0% der täglich konsumierten Nahrung und 33,0% der gesamten täglichen Energiezufuhr aus. Zu den Faktoren, die signifikant mit diesem Konsum in Verbindung gebracht wurden, gehörten jüngeres Alter, geringeres Einkommen und weniger körperliche Aktivität.

Insgesamt 3.516 Teilnehmer (10,5%) berichteten, an einem Reizdarmsyndrom zu leiden. Die Forscher berücksichtigten andere mögliche Faktoren, die Einfluss nehmen könnten, und passten die Daten entsprechend an. Anschließend stellten sie fest, dass ein erhöhter Anteil von industriell verarbeiteten Lebensmitteln im Speisplan auch das Risiko für ein Reizdarmsyndrom erhöhte.

Trotzdem schränkten die Experten ein, dass sie nicht ausschließen könnten, dass noch andere Faktoren bei den Probanden ihrer Studie eine Rolle spielen könnten, die sie nicht erwogen hätten. Sie kommentierten, dass industriell verarbeitet Produkte in der Regel billig sind und stark beworben werden. Darüber hinaus sind sie verzehrfertig und haltbar. Außerdem machen sie den größten Teil der Produkte im Supermarkt aus und sind daher weit verbreitet."

In einer E-Mail an Reuters Health betonte Schnabel, dass die Ergebnisse auf eine erwachsene französische Bevölkerung beschränkt seien. "Da das Studiendesign beobachtend ist, muss betont werden, dass wir nicht auf einen kausalen Zusammenhang schließen können und dass andere Studien in verschiedenen Populationen und Umgebungen notwendig sein werden", verdeutlichte sie.

Quelle: Medscape/Reuters, Am J Gastroenterol
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Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Infektiologie im Ärztehaus Harlaching: Prof. Dr. med. Christian Folwaczny