Studie: Längere Statintherapie verringert anscheinend Glaukomrisiko

Eine amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass Menschen, die fünf Jahre oder länger Statine einnehmen, ein um 21% geringeres Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom haben.


Forscher aus Brigham und dem Women's Hospital haben herausgefunden, dass die Einnahme von Statinen über einen Zeitraum von fünf oder mehr Jahren mit einem geringeren Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom verbunden ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in „JAMA Ophthalmology“ veröffentlicht.

Beim Glaukom besteht ein erhöhter Augeninnendruck, der - unbehandelt - den Sehnerv auf die Dauer schädigt. Ein Glaukom ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung.

Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass Statine - Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels zur Behandlung und Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen - auch den Augeninnendruck senken und die Durchblutung des Sehnervs fördern, was wiederum das Glaukomrisiko verringert. "Unsere Studie deutet auf mögliche Schutzwirkungen hin, die bei langfristiger Anwendung über die positiven kardiovaskulären Effekte hinausgehen. Statine können auch neuroprotektiven Eigenschaften zeigen, die das Absterben von Zellen im Sehnerv verhindern", so Professor Jae Hee Kang, ScD, von Channing Division of Network Medicine in Brigham und Women's Hospital.

Kang und ihr Team beobachteten 136.782 gesunde Personen ab einem Alter von 40 Jahren und identifizierten zwischen 2000 und 2015 insgesamt 886 primäre Offenwinkelglaukomfälle. Die Forscher verwendeten Fragebögen, um Auskünfte über den Serumcholesterinspiegel und die Einnahme von Statinen der Teilnehmer zu sammeln.

Während frühere Beobachtungsstudien in Bezug auf den langfristigen Zusammenhang des primären Offenwinkelglaukomrisikos mit dem Cholesterinspiel und der Statineinnahme inkonsistent waren, weisen die aktuellen Ergebnisse darauf hin, dass Patienten, die Statine über fünf Jahre oder länger einnahmen, im Vergleich zu Patienten, die niemals Statine einnahmen, ein um 21% geringeres Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom haben. Darüber hinaus war der Untersuchung zufolge jeder Anstieg des Gesamtserumcholesterinspiegels um 20mg/dl mit einem um 7% höheren Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom verbunden.

Höherer Cholesterinspiegel – höheres Glaukomrisiko?

Diese Ergebnisse legen nahe, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel das Glaukomrisiko vergrößern kann. Die Forscher schränken ein, dass die Studie ausschließlich auf den Selbstauskünften der Patienten bezüglich Statineinnahme und Cholesterinspiegel basiert.

Kang betont, dass diese Ergebnisse nicht bedeuten, dass Personen mit Glaukom in der Familienanamnese Statine oder andere cholesterinsenkende Medikamente zur Vorbeugung einnehmen sollten.

Randomisierte klinische Studien werden erforderlich sein, um festzustellen, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Statineinnahme und Glaukomprävention besteht, bevor Ärzte Statine empfehlen können, um das Risiko eines primären Offenwinkelglaukoms zu senken.

Insbesondere bei älteren Patienten haben Statine potenzielle Nebenwirkungen, sie können u.a. Muskelschwäche und  schmerzen verursachen und zu Leber- oder Nierenfunktionsstörungen führen.
Die Forschungsarbeit des Teams liefert weitere wichtige Informationen, um die komplexen biologischen Mechanismen des Glaukoms besser zu verstehen. Da ein hoher Cholesterinspiegel und die Einnahme von Statinen bereits mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht worden war, macht es sicher Sinn, die Wechselbeziehungen zwischen Cholesterin und Glaukom weiter zu erforschen, hofft Kang.

Quellen: ScienceDaily, JAMA Ophthalmology
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Fachärzte für Augenheilkunde im Ärztehaus Harlaching: Frau Dr. Erna Josef und Herr Dr. Harald Mühlhölzl