Zu wenig Flüssigkeit im Körper schränkt die geistige Leistungsfähigkeit ein

Wer in einer Wüste halluziniert und Luftspiegelungen sieht, weiß, dass daran die extreme Dehydration schuld ist. Aber nur zwei Stunden intensiver Gartenarbeit in der Sonne, ohne etwas zu trinken, könnten laut einer neuen Studie ausreichen, um die Konzentration zu verringern.


Wenn der Körper Wasser verliert, beeinträchtigt dies oft die kognitiven Funktionen. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Georgia Institute of Technology nach der statistischen Analyse von Daten aus mehreren Peer-Review-Studien zu Dehydration und kognitiven Fähigkeiten. Die Daten deuteten darauf hin, dass Funktionen wie Aufmerksamkeit, Koordination und komplexes Problemlösen am meisten darunter leiden. Die Fähigkeit, schnell zu reagieren, nahm im Vergleich dazu nur geringfügig ab.
"Die einfachsten Reaktionszeitaufgaben waren am wenigsten beeinträchtigt, selbst als sich die Dehydration verschlimmerte, aber die Fähigkeit, Aufgaben zu lösen, die Aufmerksamkeit erfordern, war stark eingeschränkt", berichtete Professor Mindy Millard-Stafford von der School of Biological Sciences von Georgia Tech.

Weniger Flüssigkeit, mehr Dummköpfe

Als die Körper von Probanden in verschiedenen Studien Wasser verloren, machte die Mehrheit der Teilnehmer zunehmend Fehler bei aufmerksamkeitsbezogenen Aufgaben – auch wenn sie leicht waren und sich wiederholten, wie zum Beispiel ein Knopf in einer bestimmten variierenden Abfolge einige Minuten lang zu drücken. Es gibt Situationen im Leben, die unsere Aufmerksamkeit auf ähnliche Weise beanspruchen, und wenn sie nachlässt, kann es zu Fehlern kommen.

"Die Konzentration in einem langen Meeting, bei Autofahrten, bei einer monotonen Arbeit in einer heißen Fabrik, bei der man wachsam bleiben muss, sind einige Beispiele dafür", erklärte Millard-Stafford, die leitende Ermittlerin der Studie. "Höhere Anforderungen wie Rechnen oder logisches Denken ließen ebenfalls nach."

Die Forscher zeigten sich besorgt, dass Dehydrierung das Risiko für Unfälle erhöhen könnte, insbesondere in Szenarien, wo Menschen stark schwitzten und mit gefährlichen Maschinen oder militärischer Ausrüstung hantieren müssen.

Millard-Stafford und der Erstautor Matthew Wittbrodt, ein ehemaliger Hochschulassistent an der Georgia Tech und jetzt ein Postdoktorand an der Emory University, veröffentlichten ihre Meta-Analyse der Studien in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Medicine & Science in Sport & Exercise.“

Unfälle können schnell passieren

Es gibt keine feste Regel, wann genau solche Entgleisungen auftreten könnten, so die Autoren. Die Forscher untersuchten Studien, bei denen Menschen 1 bis 6% ihrer Körpermasse aufgrund von Dehydrierung verloren. Bereits bei 2% konnten demnach schwerere Beeinträchtigungen auftreten. Diese Grenze bestätigte sich auch in ähnlichen Studien.

"Es gibt bereits viele Belege dafür, dass bei einem Verlust von 2% Wasser u.a. die Muskelausdauer oder sportliche Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, negativ beeinflusst wird", so Millard-Stafford. "Wir wollten sehen, ob das bei geistigen Leistungen ähnlich ist."
Die Experten betrachteten 6.591 relevante Studien für ihren Vergleich und grenzten sie dann auf 33 Arbeiten mit wissenschaftlichen Kriterien und Daten ein, die für die Metadatenanalyse vergleichbar genug waren. Sie konzentrierten sich auf akute Dehydrierung, die jeder bei Anstrengung, Hitze und/oder nicht trinken im Gegensatz zu chronischer Dehydrierung, die durch eine chronische Krankheit oder Störungen verursacht wird.

Wie viel Flüssigkeitsverlust führt bis zu 2% Körpermasseverlust?

"Wenn Sie etwa knapp 91 Kilogramm wiegen und ein paar Stunden trainieren, verlieren Sie etwa 1,8 Kilogramm, und das entspricht 2% der Körpermasse", verdeutlichte Millard-Stafford. Und es kann schnell passieren. "Durch eine Stunde mäßig intensiver Aktivität, bei einer Temperatur an die 30 Grad Celsius und moderater Luftfeuchtigkeit kann ein Mensch leicht etwas mehr als 1,8 Kilogramm Wasser zu verlieren."

Wer für medizinische Tests 12 Stunden auf Flüssigkeitszufuhr verzichtet (nichts durch den Mund), könnte etwa 1,5% verlieren, sagte sie. Bei vierundzwanzig Stunden Flüssigkeitsrestriktion nehmen die meisten Menschen 3% der Körpermasse in Form von Flüssigkeit ab.

Und dann leiden darunter nicht nur die geistigen Fähigkeiten oder die Sporttauglichkeit. "Bei 4 oder 5% Flüssigkeitsverlust werden Sie sich wirklich mies fühlen", so Millard-Stafford. "Wasser ist der wichtigste Nährstoff."

Sie warnte, dass ältere Menschen leichter austrocknen können, weil sie oft ihr Durstgefühl verlieren und ihre Nieren weniger in der Lage sind, Urin zu konzentrieren, wodurch sie weniger Flüssigkeit aufnehmen. Menschen mit hohem Körperfettanteil haben auch geringere relative Wasserreserven als schlanke Menschen.

Dennoch nicht mit dem Trinken übertreiben

Hydration ist wichtig, aber in Maßen. "Sie können zu viel Wasser zu sich nehmen, etwas, das Hyponatriämie genannt wird", warnte Millard-Stafford. "Manche Leute trinken übermäßig viel, aus Angst vor einer Dehydration, so dass sie ihr Blut verdünnen und ihr Gehirn anschwillt."
Dies führt in seltenen, extremen Fällen zum Tod, zum Beispiel wenn Langstreckenläufer ständig trinken, aber nicht viel schwitzen und am Ende übermäßig stark hydrieren.

"Wasser muss genug sein, aber im richtigen Maß", betonte Millard-Stafford. Sie machte auch darauf aufmerksam, dass wenig Salz zu essen, gut für Menschen mit Bewegungsmangel oder mit Bluthochdruck sein kann, aber wer schwitze bräuchte auch etwas Salz, oder der Körper könne das Wasser nicht richtig aufnehmen.

Quelle: Newswise, Medicine & Science in Sport & Exercise
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Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie (u.a. Gedächtnistestung im Leistungsspektrum) im Ärztehaus Harlaching: Dr. med. Christina Andersen